Wechsel einer Endloskette ohne Schwingenausbau an der RC46 (Bj. 98)
Grundsätzliche Informationen zum Wechsel der Antriebskette an der VFR findet ihr im Werkstattbuch ab Seite 3-16 und Seite 14-2. Spezialwerkzeug ist zum Wechsel einer Endloskette nicht notwendig, allerdings bevorzuge ich bei solchen Arbeiten den Einsatz eines Drehmomentschlüssels. Wenn ihr die Möglichkeit habt, einen zu nutzen, solltet ihr das unbedingt tun, weil ihr an Teilen arbeitet, die massgeblich für eure Sicherheit sind.

Ausgehend davon, dass ihr das Hinterrad ausgebaut habt, den Kettenschutz und die Bremsschläuche gelöst, bzw. abgebaut habt, das Kettenritzel enfernt und das Kettenrad abgebaut habt, geht es jetzt darum, die Kette ohne Ausbau der Schwinge (und ohne Flex) runterzunehmen und die neue Endloskette aufzufädeln.

Geht dazu folgendermaßen vor: Die Schwinge wird am Rahmen von einem sogenannten Schwingenzapfen gehalten. Das ist ein großer Bolzen, der von der linken Seite des Motorrades (alle Angaben in Fahrtrichtung) durch die Schwinge und den Rahmen geht. Auf der rechten Seite des Motorrades wird dieser Bolzen durch die Schwingenzapfenmutter gehalten. Diese Mutter findet ihr an der Wärmeschutzplatte der rechten Seite etwas über der Fußraste. Abgedeckt ist diese Schwingenzapfenmutter mit der Schwingenzapfenmutterkappe (der großen schwarzen Staubschutzlappe an der Schwingenhalterung).

Die Mutter wird abgedreht und jetzt könnt ihr den Schwingenzapfen millimeterweise in Richtung der linken Seite drücken (wenn es zu schwer geht, vorsichtig mit Hammer und einem alten Schraubenzieher o.ä. anklopfen). Durch das Austreiben des Schwingenzapfens, könnt ihr die Wärmeschutzplatte auf der linken Seite des Motorrades abziehen, denn auch die wird von dem Bolzen gehalten. Diese Wärmeschutzplatte verhindert das Abnehmen der Kette und ein Spiel von ca. 1 - 1,5 cm reicht aus, um die Kette an der Wärmeschutzplatte vorbei abzuheben.

WICHTIG!
Seid vorsichtig beim Rausschlagen des Schwingenlagerzapfens. Er darf NICHT soweit rausgedrückt werden, dass er den Halt am rechten Schwingenlager verliert. Wenn die Schwinge nicht abgestützt ist, hängt die komplette Schwinge nur noch im linken Schwingenlager. Ausprobiert habe ich das nicht, könnte mir aber vorstellen, dass sich die ganze Geschichte dann äußerst unangenehm verkantet. Das kann man aber vermeiden, denn es reicht wirklich wenig Platz, um die Kette hinter der linken Wärmeschutzplatte vorbei zu heben.

Wenn ihr die alte Kette runter habt, fädelt ihr in umgekehrter Reihenfolge die neue Kette wieder auf. Dann wird der Schwingenzapfen wieder eingetrieben und die Schwingenzapfenmutter wieder raufgedreht. Jetzt kommt auch der Drehmomentschlüssel zum Einsatz, denn Honda schreibt hier ein Drehmoment von 93 Nm vor.

Danach folgt der Einbau von Ritzel und Kettenrad, sowie der anderen Teile, die ihr zur Vorbereitung abbauen musstet. Ihr solltet außerdem berücksichtigen, dass es durchaus sinnvoll sein kann, die Schwinge zum Kettenwechsel komplett auszubauen. Nach einer Fahrleistung von zigtausend Kilometern kann in der Regel sowohl der Schwingenzapfen als auch die Lager (wenn nicht sogar ein Wechsel fällig ist), durchaus eine gute Portion Lagerfett vertragen. Der Kettenwechsel ohne Ausbau der Schwinge ist also nur empfehlenswert, wenn die Fahrleistung gering ist. 

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