7.06.2001: Während einer VFR-Tour stellte mein Hintermann an meiner RC36 Bj.` 93 fest, daß mein Hinterreifen trotz staubiger Hitze an dem Tag, extrem naß aussah. Irgendwo verlor meine Maschine Kühlflüssigkeit. Wie und warum war noch unklar, und so wurde anfangs viel spekuliert.

Das Werkstatthandbuch beschreibt im 5. Kapitel folgende Ursachen des Kühlflüssigkeitsverlustes:

  • Defekte Gleitringdichtung der Wasserpumpe
  • Abgenutzter O-Ring
  • Defekter Kühlerdeckel
  • Defekte Zylinderkopfdichtung
  • Gelockerte Schlauchverbindung oder Schlauchschelle
  • Beschädigte oder verschlissene Wasserschläuche

Die letzten beiden Punkte konnten ausgeschlossen werden, da die Quelle der Feuchtigkeit der Überlauf des Kühlflüssigkeitsausgleichbehälters war.

Symptome:

  • Der Ausgleichsbehälter ist randvoll gefüllt, es "blubbert" etwas
  • Kühlflüssigkeit tritt aus dem System durch den Überlaufschlauch des Behälters aus
  • Nach kurzer Pause ist der Ausgleichsbehälter durch den Unterdruck im Kühler wieder völlig leer
  • Bereits wenige Minuten nach erneutem Fahren nach der Pause befindet sich die Temperaturanzeige in dem Bereich, in dem normalerweise der Ventilator angeht.
  • Bei zügiger Überlandfahrt mit reichlich kühlem Fahrtwind sinkt die Temperatur nur schwach und ist verglichen mit der normalen Funktion des Kühlers deutlich höher.

Fehlersuche:

Nach dem Abkühlen des Kühlers (ACHTUNG: Gefahr des Verbrühens wenn er in heißem Zustand geöffnet wird!) wurde zunächst der Kühlerdeckel geöffnet und, falls erforderlich, Kühlflüssigkeit aufgefüllt. Anschließend wurde der Motor unter Beobachtung des Kühlvorganges bei geöffnetem Kühlerdeckel angelassen.

  • Gibt es weißen Qualm aus dem Auspuff und "sprudelt" die Flüssigkeit beim Gasgeben?
    • Nein: Defekte Zylinderkopfdichtung scheidet aller Wahrscheinlichkeit nach aus
    • Ja: Sehr wahrscheinlich liegt ein Dichtungsproblem vor
  • Ist der Fluß der Kühlflüssigkeit normal? Sinkt der Flüssigkeitspegel beim Gasgeben, steigt er wieder beim Gaswegnehmen?
    • Nein: Vermutlich ist die Wasserpumpe defekt
    • Ja: Wasserpumpe arbeitet, defekter Gleitring der Wasserpumpe weniger wahrscheinlich

Sind alle Beobachtungen normal und kein Fehler zu erkennen kann der Kühlerdeckel wieder aufgeschraubt werden und der Motor gestartet werden. Der Motor wird solange laufen gelassen, bis der Ventilator anspringt um zu kühlen. Springt der Ventilator erst dann an, wenn bereits zuvor Kühlflüssigkeit in den Ausgleichsbehälter gedrückt wurde, so ist vermutlich der Kühlerdeckel das Corpus Delicti.

Der Kühlerdeckel besitzt "unten" ein Druckventil, welches die äußere Form eines kleinen Tellers besitzt, in der Größe einer Reißzwecke. Dieser Teller wird mittels einer Feder nach oben gegen eine Dichtung gezogen. Bei Erreichen eines bestimmten Druckes, steigt die Flüssigkeit bis zur Dichtung, gelangt zuerst unter den "Dichtungstellerrand", wirkt dem Federzug entgegen und zieht den Dichtungsteller nach unten. Kühlflüssigkeit entweicht in den Ausgleichsbehälter.Anschließend wurde der Kühlerdeckel untersucht. Wenige zehntelmillimeter Unebenheiten der Dichtung oder Schmutz auf der Dichtung müssen entfernt werden. Ist die Dichtung des Druckventiles des Kühlerdeckels "klinisch rein", kann er wieder montiert werden. Anschließend wird der Motor erneut gestartet und bis zum Anspringen des Ventilators laufen gelassen. Springt der Ventilator an, ohne dass sich der Pegel im Ausgleichsbehälter verändert (zunimmt), war der Fehler, wie in meinem Fall, eine verschmutzte Dichtung des Druckventils des Lüftungsdeckels. 

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